Ingwer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ingwer werden verschiedenste gesundheitliche Wirkungen nachgesagt, unter anderem ein positiver Einfluss auf Herz und Blutgefäße. Verantwortlich dafür ist die entzündungshemmende Kraft des Ingwers. Wie das unser Herz-Kreislauf-System schützen kann, indem es Erkrankungen der Gefäße vorbeugt, erklären wir dir in diesem Text.

Bluthochdruck, verengte Gefäße und Herzinfarkt

Erkrankungen von Herz und Gefäßen zählen zu den häufigsten Beschwerden in Deutschland und bilden die Volkskrankheit Nummer eins. Aufgrund falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entwickeln viele Betroffene Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte, z.B. Cholesterin. Unter der zusätzlichen Belastung leiden die Gefäße und werden anfällig.

Das überschüssige Blutfett lagert sich in sogenannten Plaques ab. An diesen Stellen entzündet sich das Gefäß und wird mit der Zeit eingeengt. Der Blutfluss ist gestört, es kommt zu Turbulenzen und es können sich Gerinnsel bilden. Dabei wird die Blutgerinnung ausgelöst, sodass Blutbestandteile verklumpen und ein Gefäß verstopfen können. Man spricht in diesem Fall von einer Thrombose.

Durch den teilweisen oder vollständigen Verschluss eines Gefäßes kann es zu verschiedenen Krankheitsbildern von der sog. peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK oder auch Schaufensterkrankheit), bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall kommen. Bei letzteren beiden kommt es durch den Gefäßverschluss zu einer Minderversorgung des Gewebes mit Blut und Sauerstoff. Dadurch sterben Teile des Organs ab, was unter Umständen tödliche Folgen haben kann.

Das Problem mit der Blutgerinnung

Es gibt verschiedene Wege, um die negativen Veränderungen in den Blutgefäßen zu stoppen und Problemen vorzubeugen. Zum einen können bestimmte Medikamente den Blutdruck senken, um die übermäßige Belastung der Gefäße zu verringern. Zum anderen kann man versuchen die Blutgerinnung davon abzuhalten, gefährliche Blutklumpen zu bilden.

Beim gesunden Menschen ist die Blutgerinnung nicht schädlich, sondern verschließt offene Wunden, um Blutverlust vorzubeugen. Bei einem Menschen mit vorbelasteten Gefäßen kann die Gerinnung jedoch unkontrolliert mitten im Gefäß ausgelöst werden und dadurch die oben beschriebenen Krankheitsbilder auslösen. Es ist also in diesem Fall sinnvoll, die Gerinnung kontrolliert zu hemmen. Dabei muss man gegebenenfalls eine etwas verlängerte Blutungszeit in Kauf nehmen.

Gerinnungsmedikamente können den Ablauf der Verklumpung an verschiedenen Stellen stoppen. Ein bekannter Vertreter ist Aspirin, welches nicht nur schmerz- und entzündungshemmend wirkt, sondern auch die Entstehung sogenannter Thromboxane unterdrückt, was die Blutplättchen vom Verkleben abhält.

Ingwer gegen Thrombose

Auf ganz ähnliche Weise wie Aspirin wirkt auch Ingwer im menschlichen Körper. Diverse Studien konnten zeigen, dass Bestandteile des Ingwers in der Lage sind, die gleichen Enzyme im Blut zu hemmen, und zwar zum Teil stärker als Aspirin1,2. Dieses Potential wurde sowohl als Erklärung für sein entzündungshemmendes, als auch sein gerinnungshemmendes Potential herangezogen.

Letzteres wurde bislang jedoch lediglich an Tieren nachgewiesen. In einer Studie von 2002 bekamen Ratten für vier Wochen einen wässrigen Ingwer-Extrakt. Nach Ende der Studie waren Gerinnungs-, Entzündungs-, und Fettwerte im Blut der Tiere gesunken. Die Wissenschaftler attestierten daraufhin Ingwer ein gerinnungs- und entzündungshemmendes und zusätzlich ein Cholesterin-senkendes Potential3.

In einer aktuellen Studie von 2017 wurde Mäusen mit einer Thromboembolie, also einem in die Lunge verschleppten Blutklumpen, eine Kombination von Ingwer- und Sappanholz-Extrakt gegeben. Sappanholz stammt aus der Familie der Johannisbrotgewächse und soll ebenfalls gerinnungshemmend wirken. Durch die Gabe des Extraktes überlebten deutlich mehr Ratten die Studie. Außerdem war die Blutungszeit verlängert, was als Marker für die unterdrückte Blutgerinnung gilt.4.

Ingwer gegen Bluthochdruck

Auch auf einen erhöhten Blutdruck könnte Ingwer einen positiven Einfluss haben. Darauf deutet eine  Tierstudie von 2005 hin, bei der sich die Blutgefäße von Ratten weniger verengten, wenn sie wässrigen Ingwer-Extrakt bekommen hatten. In der Folge sank der Blutdruck5.

Auch wenn die Studienlage zur Wirkung von Ingwer bei Herz- und Kreislaufproblemen noch ausbaufähig ist, deutet vieles darauf hin, dass Ingwer eine sinnvolle Ergänzung zu klassischen Therapien darstellen könnte. Es bleibt abzuwarten, ob weitere Studien die bisher veröffentlichten Ergebnisse weiter untermauern.

Vor allem die Tatsache, dass bislang vor allem wässrige Extrakte untersucht wurden, lässt vermuten, dass das volle Potential des Ingwers noch nicht erkannt wurde. Ein Extrakt, der das volle Wirkspektrum des Ingwers enthält, könnte unter Umständen größere Wirkung erzielen.

Auf jeden Fall kann man sagen, dass Ingwer das Potential besitzt, zukünftig etablierte Therapien im Bereich Herzgesundheit zu ergänzen. Natürlich ist eine Rücksprache mit dem Hausarzt oder Kardiologen sehr wichtig, bevor man etwa einen bestehenden Medikamentenplan mit ASS, Marcumar & Co. regelmäßig mit Ingwer kombiniert. Es sind kaum Nebenwirkungen von Ingwer bekannt, was vor allem bei Langzeittherapien von Nutzen sein kann.

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Quellen:

Van Breemen, R. B., Tao, Y., & Li, W. (2011). Cyclooxygenase-2 inhibitors in ginger (Zingiber officinale). Fitoterapia, 82(1), 38–43.

Nurtjahja-Tjendraputra, E., Ammit, A. J., Roufogalis, B. D., Tran, V. H., & Duke, C. C. (2003). Effective anti-platelet and COX-1 enzyme inhibitors from pungent constituents of ginger. Thrombosis Research, 111(4–5), 259–265.

Thomson, M., Al-Qattan, K. K., Al-Sawan, S. M., Alnaqeeb, M. a., Khan, I., & Ali, M. (2002). The use of ginger (Zingiber officinale Rosc.) as a potential anti-inflammatory and antithrombotic agent. Prostaglandins, Leukotrienes and Essential Fatty Acids, 67(6), 475–478.

Saputri, F. C., Nabila, N., & Mun’im, A. (2017). Combination of Ginger and Sappan Wood Extract Effect on In vivo Antithrombotic Activity Test. Journal of Young Pharmacists.

Ghayur, M. N., Gilani, A. H., Afridi, M. B., & Houghton, P. J. (2005). Cardiovascular effects of ginger aqueous extract and its phenolic constituents are mediated through multiple pathways. Vascular Pharmacology, 43(4), 234–241.

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