Ingwersorten und Ingwerarten

Ingwerfreunde haben sicher schon bemerkt, dass es in den Märkten und Geschäften nicht nur eine Ingwersorte gibt. Leider ist nicht immer die Herkunft der kleinen Knolle deklariert und ersichtlich. Im Supermarkt haben wir es oftmals mit Ingwer aus China zu tun, aber auch hier erweitert sich das Angebot gefühlt immer mehr. In Biomärkten gibt es Ingwersorten, die biologisch angebaut und zudem nicht mit schädlichen Pestiziden belastet sind. So begegnen mir dort neben der chinesischen auch Sorten aus Afrika, Peru oder sogar Jamaika. Dass es weitaus noch mehr Ingwerarten gibt und wie sie sich voneinander unterscheiden, erkläre ich in diesem Artikel.

Die verschiedenen Herkunftsländer des Ingwers

Der Frage „Wo kommt der Ingwer her“ sind wir im Artikel zur Ingwer Herkunft schon nachgegangen. Grundsätzlich halten wir nochmal fest, dass es die verschiedensten Ingwer-Herkunftsländer (überwiegend subtropische) und Anbaugebiete gibt. So wächst der Ingwer gerne überall dort, wo es warm und feucht ist. Wilden Ingwer gibt es fast nicht mehr, der Anbau und die Ernte erfolgt fast nur noch industriell auf großen Ingwerplantagen. Die Ingwersorten dieser Welt unterscheiden sich durch die verschiedenen klimatischen Bedingungen und Bodenbeschaffenheiten. Die uns geläufige botanische Art des echten Ingwers, die Zingiberis officinale, unterscheidet sich so durchaus in Aussehen, Geschmack, Schärfe aber auch Qualität, allein bedingt durch ihre geografische Herkunft.

Die Ingwersorten aus botanischer Sicht

Neben dem uns bekannten Ingwer gibt es noch viele weitere Ingwersorten bzw. Ingwerarten, die zu der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) gehören. Eine Spezies, die in Indien z.B. als Mittel gegen Durchfall verwendet wird, ist der Zingiber cassumunar, auch Waldingwer genannt. Eine weitere Ingwerart ist der Zingiber Zerumbet, der ähnlich wirkt wie der echte Ingwer. Diese Art ist in Asien ebenfalls sehr verbreitet, die Pflanze an sich und das Rhizom sind allerdings um einiges größer als der echte Ingwer.

Eine weitere Ingwerart ist der Zingiber Mioga, auch als japanischer Ingwer bekannt. Die Rhizome sind denen des echten Ingwers zum Verwechseln ähnlich und werden oftmals durch Unwissenheit als eine Sorte verkauft. Weitere bekannte Ingwerarten in Asien sind der Zingiber elatum, und der Zingiber chrysantum.

Neben den schon genannten Sorten gibt es ein sehr bekanntes Gewürz, das ebenfalls zur Ingwerfamilie gehört – Curcuma longa (Kurkuma). Kurkuma gehört allerdings nicht in die Gattung des Ingwers (Zingiber), sondern in die Gattung Curcuma.

Auch der besonders in Asialäden angebotene Galgant, gehört zur Familie der Ingwergewächse. Galgant gibt es in zwei verschiedenen Sorten, beide gehören zur Gattung Alpinia. Diese beiden Arten nennen sich Alpinia galanga (Thai Ingwer) Alpinia officinarum (Echter Galgant).

Streng genommen muss zwischen dem Begriff „Ingwersorte“ und dem botanischen Begriff „Art“ bzw. Spezies unterschieden werden. Eine botanische Art gehört üblicherweise zu einer Gattung, die ihrerseits in eine Familie bzw. Unterfamilie integriert ist. Die Familie ist in unserem Fall die Zingiberaceae, also die der Ingwergewächse. Die Gattung ist bei den meisten Ingwersorten die des Zingibers, was übersetzt Ingwer heißt. In die Gattung des Ingwers bzw. Zingibers fallen ca. 100 bis 150 Arten. In diesem Artikel geht es im Weiteren hauptsächlich um die uns bekannte Ingwerart, die Zingiber officinale. Auch wenn es um die Darstellung einzelner Sorten aus verschieden Ländern geht, bezieht sich dieses meist auf diese Ingwerart.

Ingwersorten aus verschiedenen Ländern im Überblick

Nigeria ist das Land mit der größten Anbaufläche für Ingwer, Indien ist das Land mit der größten Produktion (ca. 50% der Welternte kommen aus Indien). Hier spielen aktuelle Entwicklungen natürlich immer eine Rolle, weshalb sich diese Verhältnisse auch immer wieder, abhängig von der Marktlage, ändern können.

Je nach Herkunftsland hat der Ingwer unterschiedliche Qualität und einen anderen Geschmack. So haben manche Sorten eine deutlichere Schärfe als andere. Auch das Aroma kann sich je nach Anbaugebiet sehr stark unterscheiden.

Jamaika-Ingwer gilt oft als der wertvollste Ingwer und der chinesische Ingwer ist besonders kräftig. Der nigerianische Ingwer ist meist ziemlich scharf. Im Folgenden ein Überblick über diverse Ingwersorten bzw. Eigenschaften von Ingwer aus verschiedensten Ländern dieser Welt. In einem großen Land wie Indien gibt es natürlich auch Diversifikationen in Geschmack und Aussehen bedingt durch unterschiedlichste klimatische Bedingungen und Bodenbeschaffenheiten. Die Eigenschaften unterschiedlicher Ingwersorten unterscheiden sich also auch regional, so dass die Einteilung nach Ländern nur eine grobe Abbildung der Wirklichkeit sein kann.

Australischer Ingwer
Helle Farbe, fruchtig (stark zitroniger Geschmack) und angeblich die mildeste Sorte. Es gibt aber auch hier scharfen Ingwer.

Bengalischer Ingwer
sehr scharf, stark aromatisch

Brasilianischer Ingwer
Helle Farbe, würzig-zitroniger Geschmack, große Knollen bzw. Ingwer-Rhizome, stark faserig

Chinesischer Ingwer
Aromatisch, milde Schärfe, blumig-zitroniger Geschmack, faserige Sorte

Fidschi Ingwer
Hochwertige, seltene Ingwersorte, saftig und aromatisch im Geschmack, ohne Fasern

Indischer Ingwer
Heller, süßer, zitroniger und erdiger Geschmack, ziemlich scharf

Jamaikanischer Ingwer
Hellbraun, würzig-scharf (mild-scharf) zitroniges, feines Aroma

Japanischer Ingwer
Helles Rhizom, weniger heilsame Substanzen

Nigerianischer Ingwer
Streng-aromatisch, erdig, sehr scharf, für Pulvergewinnung z.B. für Anwendung bei Pferde

Vietnam
Auch Schwarzer Ingwer, sieht innen lila bis dunkelblau aus, nicht ganz schwarz

Westafrikanischer Ingwer
Sehr scharf, zur Ölgewinnung oder Pulverherstellung für Anwendung bei Pferden

Neben den genannten Sorten gibt es Ingwer auch noch aus folgenden Ländern: Costa Rica, Zentralafrika, Sierra Leone, Taiwan, den schon genannten Ländern Thailand (Thai-Ingwer und echter Galgant) und Vietnam, Indonesien – generell alle Länder in Südostasien. Um zu wachsen und zu gedeihen benötigt der Ingwer ein feucht-warmes Klima. Zu heiß und trocken darf es für ihn auch nicht sein.

Grüner, roter und schwarzer Ingwer?

Es existieren Begriffe wie grüner, roter und schwarzer Ingwer. Was sich dahinter verbirgt, erklärt folgender Absatz.

„Grüner Ingwer“ wird oftmals der ganz frische Ingwer genannt, den es hin und wieder in Asialäden gibt. Mir ist jedoch keine Ingwersorte bekannt, die ein vollständiges grünes Rhizom hat. Nach „Grüner Ingwer“ suchen allerdings auch einige Menschen im Internet; vermutlich ist in diesen Fällen aber normaler Ingwer, der schon anfängt zu keimen, gemeint. Es empfiehlt sich nicht, diesen noch zu verzehren. Eine andere Bedeutung hat möglicherweise der „grüne Ingwer“ durch folgende Tatsache: Das Rhizom wird manchmal, aber auch während des Anbaus etwas grünlich, sobald es nicht ausreichend mit Erde bedeckt ist und somit der Sonnenstrahlung ausgesetzt wird.

„Roter Ingwer“ ist tatsächlich rötlich und wächst z.B. sowohl in China als auch in Vietnam. Schwarzer Ingwer, auch „Black Thai Ginger“ genannt, ist außen hellbraun, aber das Mark im Inneren ist lila bis dunkelblau, jedoch nicht schwarz.

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